Der Bremer Freimarkt ist das größte Volksfest im Norden, ein Riesenspektakel, seit 972 Jahren. Was sich abspielt wenn die Lichter ausgehen, die Musik verstummt und die Läden geschlossen werden, genauer gesagt, wer den rosafarbenen Losteppich beseitigt, bekommen die wenigsten mit. Allenfalls wankenderweise auf dem nächtlichen Nachhauseweg aus Halle 7.
„Und wieder zusteigen, wieder dabei sein.“ „Gewinne Gewinne Gewinne!“, tönen sonore Stimmen eingeübt und gleichstimmig dieser Tage durch die Lautsprecher auf der Bremer Bürgerweide für jeden, der den Spaß mitmachen möchte. Dabei sein. Igor* sagt „Ja“, den Kehrbesen fest in der Hand, er fühle sich schon ein bisschen als ein Teil dieser ganzen Sache. „Traumjob ist natürlich nicht. Aber Geld stimmt...“ Viel mehr kann ich aus dem älteren Mann nicht herausbekommen; ganz wohl scheint ihm nicht zu sein, wenn man ihn auf seine Arbeit hier anspricht. Er braucht das Geld, hat Familie, aber keinen Beruf gelernt. Und bei den anderen Gelegenheits-Saubermännern, die ich treffe, wird es heute Abend nicht anders sein.
Die Arbeit mit dem Müll schafft eine besondere Distanz; dabei ist dies eben eigentlich nur ein Job, eine gut bezahlte Gelegenheit. Und trotzdem, es scheint so, als sei sie für Igor, Martin und Cem* Grund für Peinlichkeit. „Warum genau?“, will ich wissen, Müllentsorgung sei doch unglaublich wichtig und die Jobs bei der Stadtreinigung längst nicht mehr so schief angesehen, wie einst. „Die machen das täglich, die sind daran gewöhnt.“ „Und sie werden nicht dabei beobachtet.“ Ich kann sie verstehen. Ein paar sind bei Zeitarbeitsfirmen untergekommen, einige direkt von den Schaustellern engagiert. Den Dreck wegmachen, den andere produzieren, arbeiten, gegen die Massen an dreckigen Überbleibseln menschlichen Vergnügens. Distanz muss sein, ganz klar.
Der Bremer Freimarkt ist das größte Volksfest im Norden, ein Riesenspektakel. Wenn die Scharen den Bremer Freimarkt verlassen, durchgeschaukelt, be“geistert“ und meist in jeglicher Hinsicht gefüllt, Richtung Heim oder weiter ins Nachtleben, beginnt für Igor und Konsorten die große Arbeit. Würde man ihren Ertrag, zentnerschwere Abfallhaufen, genauer auswerten, man kommt man auf dieses Ergebnis: Ein Freimarktsbesucher schmeißt im Schnitt 6,4 Losnieten, 1,2 Pommes-Frites-Schalen, 1,34 Wurstpappen, einige hundert Gramm Essensreste und 0,24 Tüten, die einst gebrannte Nüsse und ähnliche Leckereien beherbergt hatten, in die blaubesackten Müllbehälter auf dem Gelände. Oder daneben. Oder einfach irgendwo dahin, wo er gerade geht und steht.
„Drei Meter zum Abfalleimer sind drei Meter zu viel.“ Ärger in der Stimme. „Es ist unglaublich, was hier weggeworfen wird.“ Martins* Stimme ist mit Entrüstung belegt. „Die Leute haben einfach zu viel Geld.“ Hier die fast unversehrte Zuckerwatte, da ein halbes Steak im Brötchen. Aufgegessen wird in den seltensten Fällen; das beweist ein Blick in Tonne. Man sieht den Männern an, dass es ihnen Leid tut um die weggeworfenen Dinge. Sie hätten die Leckereien sicher nicht so verschwenderisch behandelt. Aber auf dem Freimarkt zu essen kommt für die Männer ohnehin nicht infrage, zu sehr regiert der Wucher die Preistafeln. Der ein oder andere verschmähte Losbudengewinn findet den Weg zurück aus dem Müll. „Meine Tochter freut sich darüber, ganz bestimmt.“
Wenn man nach dem imaginären Schlusspfiff das Schlachtfeld betrachtet, scheint es, als würde die eine Hälfte des ganzen Mülls in den Eimern, die andere auf dem Bremer Marktboden verteilt worden. Seinen absoluten Höhepunkt erreicht das zügellose Wegwerfen am folgenden Samstag. Der Freimarktsumzug. In bester Karnevalmanier fliegt Süßzeug und Krimskrams durch die Bremer Luft, jedes Bonbon, noch so klein, einzeln verpackt. Man muss der Stadtreinigung einiges zutrauen bei dem Anblick zerknautschter Müllmassen in den schmalen Straßenbahngleisen. „Nein, wir da haben wir nichts zu suchen, nur hier, nur hier (auf der Bürgerweide, d. Autor), nur nachts, nach 11 oder 12. Meistens nur für 2 oder 3 Stunden.“ Zum Glück gibt es beim Umzug den sogenannten Besenwagen; das erfahre ich aber erst am besagten Samstag, wenn der Zauber schon vorbei ist. Die Ausgelassenheit verbietet auch heute die Frage, ob die Verschwendung wirklich so nötig ist. Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Das ist so wahr wie unschön.
Es ist kalt geworden heute nacht, als ich mich aufmache. „Mitreisen?“ Nein, mitreisen werden sie nicht. Nur im nächsten Jahr wieder. Für die 3 Wochen. Das reicht. Was sie tun werden, wenn das alles hier vorbei ist? Wenige können etwas darauf antworten. Vielleicht ist für sie das einzig Sichere folgendes: Man sieht sich. Denn nächsten Oktober heißt es wieder: Ischa Freimaak!
Sonntag, 28. Oktober 2007
Montag, 22. Oktober 2007
Gazprom
Ich finde es ja immer wieder so lustig. Heute war im Spiegel nen Artikel, dass doch ganz Deutschland immer noch so entrüstet ist über Gerhardt SChröder. Warum? Er hat sich während seiner ZEit nen exzelenten Platz bei Gazprom gesichert, um nach seiner Kanzlerschaft schön fett Kohle abzusahnen und seine exzelenten "politischen" Kontakte auszubauen.
Tja, frag mal jemand die Amerikaner, da kommen sie aus Führungspositionen, machen 4 oder 8 Jahre ihr DIng, und sind nachdem sie REformen oder Millionenverträge die für diese oder jene Branche abgeschlossen haben, in Vorständen dieser oder jener Branchen-Firmen.
Hey, und sind wir ganz ehrlich. Könnten wir über unsere politischen Kontakte für unsere Altersvorsorge (mal davon abgesehen dass ein Kanzler locekr 4000-5000 € Rente bekommt) vorsorgen.
Tja, was lehrt uns das? Besteche den Bäcker in der Stadt, dann bekommste immer frische Brötchen.
Tja, frag mal jemand die Amerikaner, da kommen sie aus Führungspositionen, machen 4 oder 8 Jahre ihr DIng, und sind nachdem sie REformen oder Millionenverträge die für diese oder jene Branche abgeschlossen haben, in Vorständen dieser oder jener Branchen-Firmen.
Hey, und sind wir ganz ehrlich. Könnten wir über unsere politischen Kontakte für unsere Altersvorsorge (mal davon abgesehen dass ein Kanzler locekr 4000-5000 € Rente bekommt) vorsorgen.
Tja, was lehrt uns das? Besteche den Bäcker in der Stadt, dann bekommste immer frische Brötchen.
Die Schaumschläger
..hier werden in Kürze Kommentare zum politischen Geschehen in Deutschland und der Welt im Besonderen, als auch zu anderen interessanten Themen des Lebens zu lesen sein.
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