Eine Einigung ist da. Und sie fällt völlig wie erwartet aus. Quasi im letzten Moment einigten sich Klimaforscher und Umweltpolitiker aus 192 Ländern auf der 13. Klimakonferenz auf der indonesischen Insel Bali auf Beschlüsse, die sich im Endeffekt das Prädikat „immerhin“ verdient haben. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Wer sich von politischen Großereignissen bahnbrechende konkrete Lösungsvorschläge oder verbindliche Vorgaben erhofft, wird im Regelfall enttäuscht. Genau hier liegt das Dilemma. Notfall-Patient Klimawandel schreit nach sofortiger Behandlung. Zu mehr als dem Wartezimmer reicht es jedoch nicht. Und niemand weiß, was 2009 auf der geplanten Konferenz in Kopenhagen wirklich konkret festgehalten werden wird.
Heiligendamm hat es vorgemacht. Bali reiht sich ein: Auf etwas „hinarbeiten“ in alter Tradition der sprichwörtlich lahmen Mühle Politik, wie in Nairobi und auf den anderen Klimakonferenzen vorher. Da stehen sich gegnüber: Die unbequemen Wahrheiten, bzw. die daraus folgenden einschneidenden Lösungsvorschläge, mit denen die Klima-Expertise in aller Dringlichkeit auftritt auf der einen Seite. Die Partikularinteressen der Länder dieser Welt, bzw. das was ihre Regierungen, besonders Japan, USA und zahlreiche Schwellenländer, an Zugeständnissen zu machen bereit sind auf der anderen. Sie liegen Dimensionen auseinander, ein immer wiederkehrendes Problem. Wenn die Elite so zusammenkommt, wie auf Bali sind am Ende wieder mal alle Wege geebnet, aber festgesetzt werden allenfalls ein paar Wegweiser. In Bali bedarf es dazu sogar "Chaos-Sitzungen" und medialen Druck. Um die Weisungen in Form zu gießen lassen sich die Beteiligten Zeit, in diesem Fall bis 2009. Dass es im weltpolitischen Mächtespiel keinen spontanen Konsens mit wirksamen, konkreten und verpflichtenden Resolutionen geben kann, steht außer Frage. Es ist auch fairerweise zu betonen, dass sogar wirklich Erfreuliches auf der Abrechnung steht, z.B. Zugeständnisse des bisher sturen Kohle-Emissenten Australien, das nach dem Regierungswechsel im eigenen Land nun endlich das Kyoto-Protokoll zu unterzeichnen bereit ist. Aber das, was in Bali in Form von Aufgabenverteilung, Technologietransfer und Anpassungsfonds beschlossen wurde, fällt in die Abteilung „Kampf den Symptomen“. Sehr wichtig und absolut bequem. Bei der Ursachenbekämpfung, den CO2-Emissionen, tut sich die Weltgemeinschaft weiterhin schwer. Das Fazit geht nicht darüber hinaus, die Probleme beim Namen zu nennen und eine Planungsphase einzuleiten. Klimaschutz geht nur miteinander, das wissen wir bereits, Kyoto sei dank.
Die Regierungschefs indes geben sich trotz allem als Sieger, allen voran: die frisch gekürte Klimaschutz-Galleonsfigur Merkel. Ihr Gewinn sind 2 Jahre Zeit. Beim immer wiederkehrenden Anblick von Umweltkatastrophen, die die Ärmsten der Armen treffen, bleiben aber folgende Fragen über die Entscheidungsfreudigkeit mit bitterem bleibt bei solcht rasanter Entscheidungsfreudigkeit ein bitterer Nachgeschmachen. Wirklich schlagkräftig handeln werden die Machtinhaber der westlichen Welt erst, wenn eine Umweltkatastrophe der Kategorie Dezember 04 nicht wieder Ostasien, sondern beispielsweise Amerikas Ostküste in vollem Ausmaß trifft. Das ist nicht zu erwarten und Europa sitzt ohnehin gemütlich im Trockenen. Den Preis für weitere 2 Jahre Aufschub zahlen wie immer andere.
Dienstag, 18. Dezember 2007
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