Dienstag, 18. Dezember 2007

Aufschub im Paradies

Eine Einigung ist da. Und sie fällt völlig wie erwartet aus. Quasi im letzten Moment einigten sich Klimaforscher und Umweltpolitiker aus 192 Ländern auf der 13. Klimakonferenz auf der indonesischen Insel Bali auf Beschlüsse, die sich im Endeffekt das Prädikat „immerhin“ verdient haben. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Wer sich von politischen Großereignissen bahnbrechende konkrete Lösungsvorschläge oder verbindliche Vorgaben erhofft, wird im Regelfall enttäuscht. Genau hier liegt das Dilemma. Notfall-Patient Klimawandel schreit nach sofortiger Behandlung. Zu mehr als dem Wartezimmer reicht es jedoch nicht. Und niemand weiß, was 2009 auf der geplanten Konferenz in Kopenhagen wirklich konkret festgehalten werden wird.
Heiligendamm hat es vorgemacht. Bali reiht sich ein: Auf etwas „hinarbeiten“ in alter Tradition der sprichwörtlich lahmen Mühle Politik, wie in Nairobi und auf den anderen Klimakonferenzen vorher. Da stehen sich gegnüber: Die unbequemen Wahrheiten, bzw. die daraus folgenden einschneidenden Lösungsvorschläge, mit denen die Klima-Expertise in aller Dringlichkeit auftritt auf der einen Seite. Die Partikularinteressen der Länder dieser Welt, bzw. das was ihre Regierungen, besonders Japan, USA und zahlreiche Schwellenländer, an Zugeständnissen zu machen bereit sind auf der anderen. Sie liegen Dimensionen auseinander, ein immer wiederkehrendes Problem. Wenn die Elite so zusammenkommt, wie auf Bali sind am Ende wieder mal alle Wege geebnet, aber festgesetzt werden allenfalls ein paar Wegweiser. In Bali bedarf es dazu sogar "Chaos-Sitzungen" und medialen Druck. Um die Weisungen in Form zu gießen lassen sich die Beteiligten Zeit, in diesem Fall bis 2009. Dass es im weltpolitischen Mächtespiel keinen spontanen Konsens mit wirksamen, konkreten und verpflichtenden Resolutionen geben kann, steht außer Frage. Es ist auch fairerweise zu betonen, dass sogar wirklich Erfreuliches auf der Abrechnung steht, z.B. Zugeständnisse des bisher sturen Kohle-Emissenten Australien, das nach dem Regierungswechsel im eigenen Land nun endlich das Kyoto-Protokoll zu unterzeichnen bereit ist. Aber das, was in Bali in Form von Aufgabenverteilung, Technologietransfer und Anpassungsfonds beschlossen wurde, fällt in die Abteilung „Kampf den Symptomen“. Sehr wichtig und absolut bequem. Bei der Ursachenbekämpfung, den CO2-Emissionen, tut sich die Weltgemeinschaft weiterhin schwer. Das Fazit geht nicht darüber hinaus, die Probleme beim Namen zu nennen und eine Planungsphase einzuleiten. Klimaschutz geht nur miteinander, das wissen wir bereits, Kyoto sei dank.
Die Regierungschefs indes geben sich trotz allem als Sieger, allen voran: die frisch gekürte Klimaschutz-Galleonsfigur Merkel. Ihr Gewinn sind 2 Jahre Zeit. Beim immer wiederkehrenden Anblick von Umweltkatastrophen, die die Ärmsten der Armen treffen, bleiben aber folgende Fragen über die Entscheidungsfreudigkeit mit bitterem bleibt bei solcht rasanter Entscheidungsfreudigkeit ein bitterer Nachgeschmachen. Wirklich schlagkräftig handeln werden die Machtinhaber der westlichen Welt erst, wenn eine Umweltkatastrophe der Kategorie Dezember 04 nicht wieder Ostasien, sondern beispielsweise Amerikas Ostküste in vollem Ausmaß trifft. Das ist nicht zu erwarten und Europa sitzt ohnehin gemütlich im Trockenen. Den Preis für weitere 2 Jahre Aufschub zahlen wie immer andere.

Dienstag, 13. November 2007

4 Wochen Uni - ein kurzes Resume

Tausende neue Menschen, Bekanntschaften und vielleicht auch die Chance auf neue Freundschaften.

Hunderte neue Gedanken, eine Menge Input, neues Wissen.

Zwanzig neue Unigebäude. Immer noch verwirrend.

Acht Vorlesungen, die oft mehr selten weniger interessant sind.

Ein Mensch. Einer Unter vielen, unter den vielen tausenden.


Ja, es ist vorrangig neu, spannend, langweilig und...und?
Es ist schwierig. ICh fühle mich wie in einer Masse von Menschen, die genau nach demselben streben: Und zwar Wissen. Nach dem Wissen folgt die Anerkennung für das Wissen und die erworbenen Fähigkeiten - meist in Form von Geld oder durch die Gesellschaft.


Bis dahin ist es aber ein langer Weg. Einfach studieren kann jeder. Input aufsaugen. Das dann lernen. Aufschreiben. 1,5 auf dem Papier und los in die Arbeitswelt...öm, Arbeitswelt! Einfach so, nach drei Jahren einen Job finden!? Pustekuchen. Am besten noch mit ner Bezahlung von 3000 € Netto. Ausgeträumt ihr lieben.
Um das wirklich so hinzubekommen, muss man nicht nur Input ertragen. Man muss sich anderweitig weiterbilden.
Und genau das ist das Problem. Es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten. Stipendium bei einer Stiftung, Auslandspraktika, Parteien, außerpolitische Oganisationen, früh in der Politik anfangen, Theater spielen...und und und.
Das ist alles chön und gut. Das Problem ist: Unsicherheit. Jeder macht was anderes. Jeder begeistert einen damit. Durch jeden fühlt man sich, als ob man was falsch macht, etwas nicht tut was einem mal helfen kann. Man hat Angst, dass man auf der Strecke bleibt. Besonders in einem Fach wie PoWi, wo die Jobchancen "angeblich" nicht so rosig stehen.

Dabei stehen uns doch eigentlich alle Chancen offen. Wie von Lijphardt und anderen PoWi's zu lesen ist, haben wir so viele Möglichkeiten. Selbst die Profs sagen, es stehe gar nicht so schlecht.


Trotzdem: Ich fühle mich im Moment au verlorenem Posten. Ohne Perspektive. Dabei sind es erst 4 Wochen Studium. Eigentlich ein Witz. Aber das Sprichwort: "Der frühe Vogel fängt den Wurm" hat wohl auch hier Gültigkeit.


Aber, mal abgesehen davon: Ich fühle mich nicht alleine auf diesem verlorenen Posten. Den ich habe das Gefühl, ich habe hier in Bremen Leute gefunden, mit denen ich darüber reden kann, die vielleicht ähnlich denken.
Und auch weit weg in anderen Städten bin ich mir der seelischen und moralischen Unterstützung bewusst.

Mein Motto (welches sehr schwer zu verwirklichen sein wird): Hilfe zur Selbsthilfe, Motivation zur Selbstmotivation, den Kopf allenfals in die Weser stecken und: PUSH IT FORWARD.

Ich bin raus.

Donnerstag, 1. November 2007

Materialfetischismus der Moderne.

Was mir in den letzten Wochen immer wieder auffiel, ist ehr von unbedeutender Natur. Allerdings kann sich ein Architektur-interessierter Mensch begründet Gedanken über dieses doch sehr umstrittene Thema machen.

Es geht um den Materialfetischismus der Architekten.
Schon zu Beginn der "Archimanie" versuchten sich die Planer und Designer mit verrückten Entwürfen gegenseitig zu übertrumpfen, sich selbst einen Namen zu machen, erfolgreich zu werden. Durch individuelle Formensprache sind besonders Gehry, Sullivan oder Wright bekannt und berühmt geworden.
Sie verstanden ihr Handwerk als Möglichkeit Pionierleistungen zu erzielen. Es war die Provokation, das Neue was die Menschen nach und nach zu schätzen lernten, wodurch die Erschaffer ihren heutigen Status erlangten.

Der Architekturalltag sieht heute anders aus. Sicherlich gibt es hier und dort Entwürfe, die hervorstechen, aber dieses radikale, ja gar willkürliche, scheint für immer begraben zu sein. Es liegt wohl an der heutigen Einstellung der Menschheit, die ständig versucht sich der grauen Masse anzupassen und nicht hervorzustehen um keine unnötigen Konfrontationen zu erzeugen. Diese Identitätslosigkeit der heutigen Gesellschaft wirkt sich direkt auf unsere Bauwerke aus.
In Berlin gibt es strikte Regelungen zum Verhältnis der Fensterfläche gegenüber der Mauerwerksfläche, vertikale Wirkungslinien sind Pflicht und ein Gebäude darf maximal sechs Prozent der Fassadenfläche als auskragendes Element besitzen. Das Ergebnis liegt auf der Hand, selbst für Leute die sich nicht für Architektur interessieren, eine Einheitsarchitektur der Stadt ist momentan nicht zu vermeiden. Die Stadt als Archetypus, durch die Globalisierung verstärkt, vernichtet die individualistische Baukunst.

Identität, Menschheit.
Viele der heutigen Architekten werden somit dazu gezwungen ihre Entwürfe auf die Materialität des Gebäudes zu beschränken. Somit entgehen sie den vorgegebenen Baurichtlienen und schaffen es dennoch ihrem Projekt einen persönlichen Fingerprint zu verleihen. Das Ergebnis ist leider ganz und gar nicht Avantgardistisch.
Laufen wir durch eine Stadt, entdecken wir immer wieder Fassaden, die wir am liebsten gleich abreißen würden. Bei einem Gebäude in Straßennähe empfiehlt es sich eben nicht einen rauen Putz direkt auf die Dämmung zu bringen, weil der durch die statische Aufladung schnell dreckig wird. Auskragende Elemente aus Stahlbeton aufgrund von Ästhetischen Gründen ohne Wärmebrücken zu konzipieren solle verboten werden, dabei geht soviel Wärme aus dem Gebäude verloren, dass man im Winter vor dem Haus keinen Schnee mehr schippen muss.

Neue Materialien scheinen heute so wichtig wie nie zu vor, allerdings sollte man beim verbauen dieser auch darauf achten, welche Eigenschaften vorhanden sind. Sicherlich sind wir Architekten keine Ingenieure, aber ein wenig darauf zu achten was nach Übergabe passiert kann nicht schaden.
Einige Baustoffe eignen sich eben um zu Beispiel als Außenelement zu bestehen, andere weniger... nur wer das versteht, sollte sich Architekt nennen dürfen.
Materialfetischismus in Ehren, aber ich hoffe, dass es unsere heutige Gesellschaft irgendwann wieder zulässt etwas neues zu Entwerfen.

Ich will zurück zur Form, denn die Architektur einer Epoche beschreibt immer den Gemütszustand der Gesellschaft und ich habe es satt einer von Millionen zu sein. Ich habe eine Identität und ich werde mich nicht anpassen.
Ich glaube, dass es momentan vielen Menschen so geht. Wir können uns also auf eine Architekturepoche freuen, in der Leute wieder Fingerzeigend und Köpfeschüttelnd durch die Straßen ziehen und die jungen, wilden nicht begreifen zu vermögen.

- martin b.

Sonntag, 28. Oktober 2007

Junger Mann zum Mitreisen gesucht!

Der Bremer Freimarkt ist das größte Volksfest im Norden, ein Riesenspektakel, seit 972 Jahren. Was sich abspielt wenn die Lichter ausgehen, die Musik verstummt und die Läden geschlossen werden, genauer gesagt, wer den rosafarbenen Losteppich beseitigt, bekommen die wenigsten mit. Allenfalls wankenderweise auf dem nächtlichen Nachhauseweg aus Halle 7.

„Und wieder zusteigen, wieder dabei sein.“ „Gewinne Gewinne Gewinne!“, tönen sonore Stimmen eingeübt und gleichstimmig dieser Tage durch die Lautsprecher auf der Bremer Bürgerweide für jeden, der den Spaß mitmachen möchte. Dabei sein. Igor* sagt „Ja“, den Kehrbesen fest in der Hand, er fühle sich schon ein bisschen als ein Teil dieser ganzen Sache. „Traumjob ist natürlich nicht. Aber Geld stimmt...“ Viel mehr kann ich aus dem älteren Mann nicht herausbekommen; ganz wohl scheint ihm nicht zu sein, wenn man ihn auf seine Arbeit hier anspricht. Er braucht das Geld, hat Familie, aber keinen Beruf gelernt. Und bei den anderen Gelegenheits-Saubermännern, die ich treffe, wird es heute Abend nicht anders sein.

Die Arbeit mit dem Müll schafft eine besondere Distanz; dabei ist dies eben eigentlich nur ein Job, eine gut bezahlte Gelegenheit. Und trotzdem, es scheint so, als sei sie für Igor, Martin und Cem* Grund für Peinlichkeit. „Warum genau?“, will ich wissen, Müllentsorgung sei doch unglaublich wichtig und die Jobs bei der Stadtreinigung längst nicht mehr so schief angesehen, wie einst. „Die machen das täglich, die sind daran gewöhnt.“ „Und sie werden nicht dabei beobachtet.“ Ich kann sie verstehen. Ein paar sind bei Zeitarbeitsfirmen untergekommen, einige direkt von den Schaustellern engagiert. Den Dreck wegmachen, den andere produzieren, arbeiten, gegen die Massen an dreckigen Überbleibseln menschlichen Vergnügens. Distanz muss sein, ganz klar.

Der Bremer Freimarkt ist das größte Volksfest im Norden, ein Riesenspektakel. Wenn die Scharen den Bremer Freimarkt verlassen, durchgeschaukelt, be“geistert“ und meist in jeglicher Hinsicht gefüllt, Richtung Heim oder weiter ins Nachtleben, beginnt für Igor und Konsorten die große Arbeit. Würde man ihren Ertrag, zentnerschwere Abfallhaufen, genauer auswerten, man kommt man auf dieses Ergebnis: Ein Freimarktsbesucher schmeißt im Schnitt 6,4 Losnieten, 1,2 Pommes-Frites-Schalen, 1,34 Wurstpappen, einige hundert Gramm Essensreste und 0,24 Tüten, die einst gebrannte Nüsse und ähnliche Leckereien beherbergt hatten, in die blaubesackten Müllbehälter auf dem Gelände. Oder daneben. Oder einfach irgendwo dahin, wo er gerade geht und steht.

„Drei Meter zum Abfalleimer sind drei Meter zu viel.“ Ärger in der Stimme. „Es ist unglaublich, was hier weggeworfen wird.“ Martins* Stimme ist mit Entrüstung belegt. „Die Leute haben einfach zu viel Geld.“ Hier die fast unversehrte Zuckerwatte, da ein halbes Steak im Brötchen. Aufgegessen wird in den seltensten Fällen; das beweist ein Blick in Tonne. Man sieht den Männern an, dass es ihnen Leid tut um die weggeworfenen Dinge. Sie hätten die Leckereien sicher nicht so verschwenderisch behandelt. Aber auf dem Freimarkt zu essen kommt für die Männer ohnehin nicht infrage, zu sehr regiert der Wucher die Preistafeln. Der ein oder andere verschmähte Losbudengewinn findet den Weg zurück aus dem Müll. „Meine Tochter freut sich darüber, ganz bestimmt.“

Wenn man nach dem imaginären Schlusspfiff das Schlachtfeld betrachtet, scheint es, als würde die eine Hälfte des ganzen Mülls in den Eimern, die andere auf dem Bremer Marktboden verteilt worden. Seinen absoluten Höhepunkt erreicht das zügellose Wegwerfen am folgenden Samstag. Der Freimarktsumzug. In bester Karnevalmanier fliegt Süßzeug und Krimskrams durch die Bremer Luft, jedes Bonbon, noch so klein, einzeln verpackt. Man muss der Stadtreinigung einiges zutrauen bei dem Anblick zerknautschter Müllmassen in den schmalen Straßenbahngleisen. „Nein, wir da haben wir nichts zu suchen, nur hier, nur hier (auf der Bürgerweide, d. Autor), nur nachts, nach 11 oder 12. Meistens nur für 2 oder 3 Stunden.“ Zum Glück gibt es beim Umzug den sogenannten Besenwagen; das erfahre ich aber erst am besagten Samstag, wenn der Zauber schon vorbei ist. Die Ausgelassenheit verbietet auch heute die Frage, ob die Verschwendung wirklich so nötig ist. Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Das ist so wahr wie unschön.

Es ist kalt geworden heute nacht, als ich mich aufmache. „Mitreisen?“ Nein, mitreisen werden sie nicht. Nur im nächsten Jahr wieder. Für die 3 Wochen. Das reicht. Was sie tun werden, wenn das alles hier vorbei ist? Wenige können etwas darauf antworten. Vielleicht ist für sie das einzig Sichere folgendes: Man sieht sich. Denn nächsten Oktober heißt es wieder: Ischa Freimaak!

Montag, 22. Oktober 2007

Gazprom

Ich finde es ja immer wieder so lustig. Heute war im Spiegel nen Artikel, dass doch ganz Deutschland immer noch so entrüstet ist über Gerhardt SChröder. Warum? Er hat sich während seiner ZEit nen exzelenten Platz bei Gazprom gesichert, um nach seiner Kanzlerschaft schön fett Kohle abzusahnen und seine exzelenten "politischen" Kontakte auszubauen.

Tja, frag mal jemand die Amerikaner, da kommen sie aus Führungspositionen, machen 4 oder 8 Jahre ihr DIng, und sind nachdem sie REformen oder Millionenverträge die für diese oder jene Branche abgeschlossen haben, in Vorständen dieser oder jener Branchen-Firmen.

Hey, und sind wir ganz ehrlich. Könnten wir über unsere politischen Kontakte für unsere Altersvorsorge (mal davon abgesehen dass ein Kanzler locekr 4000-5000 € Rente bekommt) vorsorgen.

Tja, was lehrt uns das? Besteche den Bäcker in der Stadt, dann bekommste immer frische Brötchen.

Herzlich Willkommen...

...in diesem politischen Block.

Die Schaumschläger

..hier werden in Kürze Kommentare zum politischen Geschehen in Deutschland und der Welt im Besonderen, als auch zu anderen interessanten Themen des Lebens zu lesen sein.